was bleibt nach dem tode, wenn der name nicht bleibt

Was bleibt nach dem Tode, wenn der Name nicht bleibt?

22. Dezember 2017
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»Was bleibt nach dem Tode, wenn der Name nicht bleibt?« * (* aus »Kampf um den Südpol« – Stern Combo Meißen) Eine Betrachtung von Jörg-Peter Malke, Frontmann der Bucher Band SUEDPARK

Es gibt zwei Typen von Menschen, die uns begegnen.

Typ 1 will uns zum Essen einladen und für Typ 2 sind wir selbst das Essen. Zu erkennen wer ist wer, stellt eine der großen Herausforderungen des Lebens dar. Denn gerade Typ 2 versteht es oft meisterhaft, sein wahres Ansinnen vor uns zu verbergen, uns hinzuhalten und mit allerlei Versprechungen einzulullen. Erst am Schluss lässt er die Maske fallen. Dann sind wir wütend. Zum einen auf den, der uns »verspeist« hat, zum anderen aber auch auf uns selbst, weil wir es überhaupt so weit haben kommen lassen. Aber Achtung! Die fatalste Konsequenz aus solcherlei Geschehnissen wäre die, ab sofort nicht mehr an das Gute im Menschen zu glauben. Denn fest steht, bei Typ 2 handelt es sich zwar um ein reales, jedoch in der Unterzahl befindliches Existenzmodell. Anders gesagt: Die weitaus meisten Menschen auf der Welt sind eigentlich ganz in Ordnung. Vielleicht behalten Sie dies als Maxime im Gedächtnis, während Sie diesen Text weiterlesen.

Wieso ich überhaupt auf das Thema komme?

Weil auch ich im Moment verärgert bin. Vor kurzem las ich einen OnlineArtikel im Berliner Tagesspiegel. Darin geht es um das Benefizkonzert »Spirit Of Summer«, das letzten Sommer in Berlin-Karow stattfand. Neben anderen Akteuren, standen auch meine Band-Kollegen und ich damals dort auf der Bühne. Gewiss lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass alle Bands und Solokünstler an diesem Tage ihr Bestes gaben; nicht zuletzt deshalb, weil der Anlass des Groß-Events ein sehr ehrenwerter, zugleich aber auch ein sehr trauriger war. Als Empfänger der Spenden war der Verein »Kämpfen für Paul« vorgesehen. Doch Paul, ein schwerkranker kleiner Junge, dem die Gelder und Sachleistungen zugute kommen sollten, war kurz zuvor gestorben. Trotzdem war man sich einig darin, das Konzert dennoch stattfinden zu lassen und die eingenommenen Spenden im Sinne des Vereins zu verwenden.

Leider wurden bereits im Vorfeld des Events Stimmen laut, die den Veranstalter, einen Karower Gastronomen, in fragwürdigem Licht erscheinen ließen. Im oben erwähnten Online-Artikel werden Ross und Reiter mehrfach genannt, weshalb ich mir das erspare. Ohnehin geht es mir um eine prinzipielle Sichtweise auf das Problem. Die kritischen Töne mehrten sich, als das Management einer anderen Band öffentlich ankündigte, deren Auftritt abzusagen, weil der Veranstalter die vertraglich vereinbarten Vorauszahlungen nicht geleistet hatte. Der Artikel deckt nun, ein gutes halbes Jahr danach, weitere Querelen und Verwerfungen auf, fördert all die leeren Versprechungen und Luftblasen zutage, all die unerfüllten Erwartungen und vergeblichen Hoffnungen. Es stellt sich heraus, dass jener Gastronom alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist. Schon mehrfach wurde er als Pleitier auffällig, setzte bereits mehrere Projekte ähnlicher Art in den Sand, blieb so manche Geldsummen schuldig. Vor diesem Hintergrund ist seinen, in dem Artikel zitierten Rechtfertigungen und Ausflüchten wohl eher ein nur geringer Wahrheitsgehalt zu attestieren.

Tja… und nun ist alle Welt sauer auf den Mann, was mich wieder zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen führt. Der Volksmund meint: »Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!«. Doch ich glaube, so einfach ist es nicht. Vielmehr denke ich, dass die eigene moralische Integrität, der eigene gute Name, zum wichtigsten und wertvollsten gehört, das ein Mensch besitzen kann. Sich diesen eigenen guten Namen zu erarbeiten und zu erhalten, kostet Mühe und ist nicht immer bequem. Doch der Lohn ist etwas mindestens ebenso wertvolles: Vertrauen. Weshalb ein gestandener, erwachsener Mann so dumm ist, seinen eigenen guten Namen zu Grabe zu tragen, in dem er wieder und wieder das in ihn gesetzte Vertrauen missbraucht, ist ein Rätsel, dessen Auflösung wohl nur der Betreffende selbst kennt. Vermutlich nicht mal das. Letztlich ist und bleibt es aber allein sein Problem, denn er ist es, der jeden Morgen das eigene Antlitz im Spiegel betrachten muss; er ist es, auf den die Menschen mit Fingern zeigen; er ist es, dessen Weste auf immer und ewig befleckt bleibt.

Die Enttäuschung all derer, die sich von diesem Mann betrogen sehen, ist verständlich.

Trotzdem und gerade deshalb sei ihnen allen nochmals die o.g. Maxime ans Herz gelegt. Schließlich hört man ja auch nicht auf Äpfel zu essen, nur weil ab und zu ein fauler darunter ist. Zudem birgt der Begriff »Enttäuschung« einen durchaus positiven Aspekt in sich. Nimmt man das Wort auseinander, so ergibt sich eine interessante Sichtweise: Vorher wurden alle ge-täuscht und jetzt sind alle ent-täuscht, die Täuschung ist also vorbei. Und das ist gut.

Foto: Bernau LIVE
Quelle: Jörg-Peter Malke

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