Kennen Sie den Film »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«?

28. Dezember 2017
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Autor: Jörg-Peter Malke

Kleine Scherzfrage. Natürlich kennen Sie den Film.

Mehr noch, im Grunde hatten Sie keine Chance, den Streifen zu verpassen, es sei denn, Sie hätten die letzten 20 Jahre meditationsversunken unter buddhistischen Mönchen in einem tibetischen Kloster verbracht.

Ein schöner Film, fürwahr.

Allein schon der echten(!) Schauspieler wegen. Ein wohltuender Kontrast zu all den hilflosen Laiendarstellern, die sich in irgendwelchen Billigserien permanent anschreien. Doch nicht nur die Schauspieler lassen das Werk glänzen, auch die Story als solche. Klugerweise verzichtete die Regie auf eine allzu freizügige Interpretation der Grimmschen Märchenvorlage und hielt sich im wesentlichen an das Thema. Das schüchterne, unterdrückte Hasenbrötchen, das allein den Wald durchstreift, dort vom Prinzen entdeckt wird, diesem jedoch sogleich wieder entfleucht, ihn dann nachher geschickt um den Finger zu wickeln versteht, der verlorene Schuh, all der viele schöne Tand, die netten Drehorte, die lustigen Charaktere, dazu jede Menge stramme Kerls in engen Strumpfhosen. Summa summarum ein, wenn auch nicht gerade epochales, so doch einigermaßen gelungenes Filmwerk.

Um so eindringlicher sei daher die Frage in den Raum gestellt, weshalb zum Geier dieses hübsche Nusshäschen Jahr für Jahr um die Weihnachtszeit nicht nur einmal, sondern an vielen Tagen hintereinander auf mehreren Programmen, teilweise sogar gleichzeitig oder nur geringfügig zeitversetzt durch den Aether geprügelt wird?! Hierbei tun sich speziell jene Sendeanstalten hervor, die sich ihre sogenannte Arbeit vom Bürger durch eine gesetzlich verordnete Rundfunk-Zwangsabgabe ungeniert bezahlen lassen. Derlei öffentlich-rechtliche Wiederholungswut kennt man sonst nur vom igelschnittigen Guido, der uns in nimmermüder Schulfunk-Manier unsere History um die Ohren haut. Aber gut, dort mag das Erinnern wenigstens noch Sinn machen.

Beim Aschenbrötchen jedoch, denken sich die Programmverantwortlichen vermutlich nur, was solls, es gucken ja eh nur die anspruchslosen Blagen auf die Mattscheibe, während die Eltern im Klingelingelingmodus die Gänsekeule beim Mittagsnickerchen verdauen. Obendrein ist es viel billiger, einen Altstreifen als Wiederwiederwiederwiederholung auszustrahlen, anstatt die vom Volk erpressten Fernsehgebühren zur Abwechslung mal etwas kreativer zu verwenden. Sei es auch nur in Form eines der vielen anderen Märchenfilme, in denen Hauptdarstellerin Šafránková mitgewirkt hat.

Begraben wir diese Hoffnung, denn vermutlich wird das arme Puttelbrot auch weiterhin pünktlich zum Fest auf seinem verschimmelten Pferd dutzendfach durch die Fernsehkanäle hoppeln. Gewiss muss es längst selber gähnen, während es zum fünfhundertvierundneunzigtausendsten Mal die Moritzburger Schlosstreppe hinunter schwebt, um an vorbestimmter Stelle den besagten Schuh zu verlieren. Schöner Film hin oder her – es ist wie mit allen Dingen im Leben. Ab und zu ein leckeres Stück Schokolade ist absolut in Ordnung. Doch spätestens nach der sechsten Tafel hintereinander will man einfach nur noch zum Brechen aufs Klo.

Foto: Pixabay

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