Die ersten Ansiedlungen auf dem Barnim – Bevor die „Karower“ kamen – Teil 1

Wie ist Karow und Buch und unsere ganze Region eigentlich entstanden?

Jedenfalls nicht erst nach der Wende in den 90iger Jahren! Der folgende Artikel mit freundlicher Unterstützung des Ortschronisten Dr. Hans Maur.

200.000 bis 15.000 vor unserer Zeitrechnung (v. Ch.)
Das Gebiet der späteren Mark Brandenburg ist von der Saale – beziehungsweise der Weichseleiszeit erfasst. Das menschliche Leben ist in diesem Zeitraum auf ein Minimum reduziert.

60.000 v. Ch.
Allsteinzeitliche Horden durchstreifen vermutlich auch den Landstrich des Barnims, der von den Flüssen Spree, Havel, Finow, Oder und Löcknitz begrenzt wird.

40.000 v. Ch.
Feuersteingeräte. vor allem Faustkeile, sind aus dieser Zeit überliefert.

13.000 v. Ch.
Das Ende der Eiszeit im norddeutschen Flachland. Das Landschaftsbild wird durch Moos-, Flechten- und Strauchtundren, teilweise auch durch Birken- und Kiefernwälder, geprägt, in denen Steppen- und Waldtiere leben.

Um 8.000 v. Ch.
Auf dem Barnim finden sich Spuren von Sippen der Rentierjäger, Sammler und Fischer. Der Hund als Haustier ist bereits nachgewiesen.

Um 5.000 v. Ch.
Ein Klimawechsel mit Folgen für Flora und Fauna setzt ein. Es wachsen mächtige Eichenmischwälder, in den Niederungen Erlenbrüche.

4.000 bis 3.000 v. Ch.
Die Bewohner werden auf dem Barnim als Ackerbauer und Viehhalter der Jungsteinzeit (Neolithikum) sesshaft. Sie wohnen in Siedlungen mit festen Wohnhäusern und Vorratsspeichern. Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten erflogt. Die Bodenbearbeitung erfolgt mit einem hölzernen Hakenpflug, 2.000 bis 700 v. Ch. In der Bronzezeit setzt sich die Metallverarbeitung im Gebiet zwischen EIbe und Oder durch. Gegenüber dem zuvor bereits bekannten Kupfer ist Bronze als Legierung aus Kupfer und Zinn haltbarer und härter.

1.200 bis 800 v. Ch.
Entsteht das germanische Siedlungsgebiet der Semnonen in Buch und entlang der „Panke“. . Es handelt sich um ein umfangreiches bronzezeitliches Haufendorf, mit über 100 Häusern; mit Haustieren, Viehzucht. Ackerbau, Jagd und Fischfang. Neben den Familienhäusern – 6 bis 9 Meter breit und 8,5 bis 2,5 Meter lang – gibt es auch Gemeinschaftsbauten für Vorrat und Abfall. Den Hakenpflug ziehen Rinder, was ergiebigere Erträge bringt. Durch die Verbreitung von Bronze bilden sich Ansätze von Handwerk und Gewerbe heraus. Die Siedlung ist über mehrere Jahrhunderte kontinuierlich bewohnbar. Es gibt Funde aus Urnengräbern in Karow aus der jüngeren Bronzezeit an der „Laake „, am Teichberg sowie in der Busoni- und der Heimfriedstraße.

Um 700 v. Ch.
Es setzt eine erneute Klimaverschlechterung mit kälterem und feuchterem Wetter ein. Bisherige Siedler ziehen ab. Die Besiedlung im mittleren Elbe-Oder-Gebiet ist während oder frühen Eisenzeit rückläufig .

6. bis 4. Jahrhundert v. Ch.
Es gibt eine Frühgermanische Siedlung in Buch, nahe der Karower Flur. Etwa 100 Menschen leben auf 8 Gehöften mit Speichern, Abfallgruben und Feuerstellen. In Wohnstallhäusern leben Menschen und Tiere zusammen.

2./ 3. Jahrhundert n. Ch.
Eine spätgermanische Siedlung der römischen Kaiserzeit auf dem Baufeld von Buch V und Karow-Nord (Röländerstraße) mit zahlreichen Hausgrundrissen von Langbauten, Speichern, Ställen und Grubenhäusern; aus den freigelegten Gebäuden lässt sich auf mehrere Gehöfte mit etwa 100 Menschen schließen. Es gibt Nachweise von Spinnen, Weben und Keramik. Ein freiliegender ovaler Kuppelofen diente der Herstellung von Brandkalk, der nicht nur zum Tünchen der Häuserwände, sondern auch als Zuschlagstoff bei der Eisenerzerzeugung verwendet wurde. Auf Karower Flur (Röländer Straße) gab es Ausgrabungen einer germanischen Opferstätte als Opferbeigabe für ihren Gott, damit er seine schützende Hand über die nahegelegene Siedlung halten sollte. Ferner gab es Bestattungsspuren im späteren Dorfkern von Alt-Karow.

4./ 5. Jahrhundert n. Ch.
Auch im Elbe-Oder-Raum setzt die Völkerwanderung ein. Die germanischen Stämme geben ihre Siedlungsgebiete auf und zogen nach Südwesten ab. Für den Barnim ergibt sich eine siedlungsarme Übergangszeit. Gräberfunde aus dieser Zeit gibt es in Karow an der Straße „Am Kappgraben“.

6./ 7. Jahrhundert n. Ch.
Westslawische Stämme rücken in den von den Germanen verlassenen Barnim nach. Noch ansässige Germanen werden von den zuwandernden Lutiziern im Laufe der Zeit assimiliert. Slawische Überlieferungen sind bis heute noch erhalten geblieben: Wie zum Beispiel: Panke – parnia = Flachmoor oder panikwa = Fluss mit Strudel, Kappgraben – kopati = Graben/ Wassergraben.

7./ 8. Jhd. n. Ch. und 10. Jahrhundert n. Ch.
Es entstehen slawische Burganlagen an der Panke bei Blankenburg.

983 n. Ch.
Der Aufstand der slawischen Stämme gegen die Unterdrückung durch die deutschen Eroberer findet statt, wovon der Barnim nicht betroffen wird.

Um 1230 n. Ch.
Der Erwerb der nördlich der Spree gelegenen Landschaft – Barnim bis zur Oder sowie des Teltower Raumes bis zur Dahme – durch die askanischen Markgrafen Johann I. (1220-1266 n. Ch.) und Otto lII. (1220-1267 n. Ch.). Ob die Übernahme durch gewaltsame Eroberung oder durch friedliche Verhandlungen mit den hier ansässigen slawischen Herzögen von Pommern erfolgte ist wegen des Fehlens sicherer Überlieferungen nicht feststellbar. Städtegründungen gibt es schon mit den Ansiedlungen Berlin, Cölln und Bernau.

Johann I.(* um 1213; † 4. April 1266)
War von 1220 bis zu seinem Tod, gemeinsam mit seinem Bruder Otto III. dem Frommen, Markgraf der Mark Brandenburg. Die Regierungszeit der beiden askanischen Markgrafen war gekennzeichnet durch den weiträumigen Landesausbau nach Osten, der die letzten Teile des Teltow und des Barnims, die Uckermark, das Land Stargard, das Land Lebus und erste Teile östlich der Oder in der Neumark einbezog. Die innenpolitische Bedeutung und Stellung der Mark Brandenburg im Heiligen Römischen Reich konnten sie nachhaltig festigen, was unter anderem darin zum Ausdruck kam, dass Johanns Bruder Otto 1256 Kandidat für die Besetzung des Königsthrons im Reich war. Zudem gründeten sie verschiedene Städte und machten sich besonders um die Entwicklung der beiden Berliner Gründungsstädte Cölln und Berlin verdient. Die benachbarte askanische Burg in Spandau bauten sie zu ihrer bevorzugten Residenz aus. Noch vor ihrem Ableben teilten sie die Mark im Zuge der Erbregelungen in die Johanneische und Ottonische Linie und stifteten 1258 unter dem Namen Mariensee das Zisterzienser Kloster Chorin, da die traditionelle askanische Grablege Kloster Lehnin bei der Ottonischen Linie verblieb. Nach dem Aussterben der Ottonier 1317 kamen die beiden Landesteile unter Johanns I. Enkel Waldemar wieder zusammen.

Quelle: Wikipedia

Literatur

Hofmann, Michael: Die Ausgrabungen einer germanischen Siedlung in Berlin-Buch, Berlin 2003. – Kiekebusch. Albert: Die Ausgrabungen des bronzezeitlichen Dorfes Buch bei Berlin, Berlin 1923. – Materna, Ingo/Ribbe, Wolfgang: Geschichte in Daten, Brandenburg, Berlin 1995. – Maur, Hans: Zur Vorgeschichte Karows, In: Karower Geschichten I. Schriftenreihe, Zwischen Panke und Laake“, H.5/2005. – Maur, Hans: Auf der Suche nach vorzeitlichen Gräberfeldern und allerlei Scherben. In: Karower Geschichten 111.Schriftenreihe; .Zwischen Panke und Laake“, H.7/2005. – Maur, Hans: Wo die Germanen Pferde opferten. Archäologische Funde in Karow-Nord,

In: Karower Geschichten X. Schriftenreihe, Zwischen Panke und Laake“, H.18/2009 – Martin Pfannschmidt: Geschichte der Berliner Vororte Buch und Karow, Berlin 1927. – Schulz, Rüdiger/ Sekert, Michael: Archäologische Funde und FundsteIlen Berlin, Berlin 1997.

Quelle: Dr. Hans Maur
Foto: Karow LIVE-Pankow LIVE



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