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Tumore im Mund- und Rachenraum

Chefarzt Prof. Dr. med. Marc Bloching erklärt Symptome und Therapiemethoden

Tumore in Mund und Rachen werden oftmals zu spät erkannt. Dabei erkranken nach Angaben des Robert Koch-Instituts jährlich etwa 8000 bis 9000 Männer und 2000 bis 3000 Frauen an einem Karzinom im Mund- und Rachenraum. Prof. Dr. med. Marc Bloching, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde im Helios Klinikum Berlin-Buch, hat mit uns über Risikofaktoren und neue Therapieverfahren gesprochen.

Die Symptome: Wenn aus Halsschmerzen eine Krebserkrankung wird

Am Anfang ist es nur der Hals, der ab und an unangenehm kratzt. Werden aus den scheinbar harmlosen Beschwerden jedoch starke Schmerzen, die gemeinsam mit Husten oder gar Atemnot länger als zwei bis vier Wochen anhalten, sollten Betroffene umgehend einen HNO-Arzt aufsuchen. Schließlich gibt es im Mund- und Rachenraum einige Regionen, in den sich Karzinome ansiedeln und aufgrund ihrer starken Aggressivität schnell wachsen können. So treten Mundhöhlen- und Rachenkarzinome an der Zunge, am Mundboden, am Gaumen und meistens an den Mandeln auf. Eine weitere Tumorart, die oftmals nur schwer zu erkennen ist, ist ein Karzinom, welches in Richtung Zungengrund wächst. Befinden sich die Tumore in den sogenannten prämalignen Vorstufen, sind sie noch relativ klein und können frühzeitig erkannt werden. Anzeichen für eine Krebserkrankung sind beispielsweise weiße Flecken an der Mund- und Rachenschleimhaut, die sich in Krebs verwandeln und relativ schnell wachsen können, wenn sie bösartig geworden sind.

Die Risikofaktoren: Wie entsteht Mund- und Rachenkrebs?

Mundhöhlen- und Rachenkrebs wird unter anderem durch Tabak- und Alkoholkonsum ausgelöst. Und obwohl es inzwischen weniger vor allem männliche Raucher gibt, erklärt Prof. Bloching: „Mittlerweile sind jedoch neue Risikofaktoren hinzugekommen, etwa das HP-Virus, das auch durch Oralverkehr übertragen werden kann. Dadurch kommt es sogar wieder zu einem Anstieg an Erkrankungen.“ Das HP-Virus wurde zuerst als Risikofaktor für Gebärmutterkrebs identifiziert. Prof. Bloching betont: „Wir wissen inzwischen, dass die Rate der Karzinome, die durch HP-Viren bedingt sind, ansteigt. Beim Rachenkrebs sind es bis zu 40 Prozent.“ Eine Impfung, sagt der HNO-Experte, werde daher besonders Mädchen schon länger empfohlen. Aber auch für Jungen von neun bis 14 Jahren gelte seit 2018 eine offizielle Empfehlung durch die Ständige Impfkommission (STIKO). Die Kosten übernehmen in diesen Fällen dann die Krankenkassen. Ein weiterer Risikofaktor ist jedoch auch eine unzureichend gründliche Mundhygiene, die die Entstehung der Tumore begünstigen kann. So können sowohl die Zahnfleisch- und Mundgesundheit, chronische Entzündungen als auch die Zahl der kariösen Zähne bei einer Tumorentstehung von Bedeutung sein. „Es gibt auch bestimmte Risikofaktoren in der Arbeitswelt“, fügt Prof. Bloching hinzu, „Diese sind teilweise noch nicht anerkannt, wir haben aber Hinweise, dass Chemikalien und bestimmte Kaltschneideöle und Lösungsmittel das Risiko einer Erkrankung erhöhen.“

Therapie und Nachsorge: Individuelle Behandlungen für mehr Wohlbefinden

Während ein Karzinom im Mund- und Rachenraum in einem frühen Stadium meist operativ entfernt wird, müssen fortgeschrittene Tumore im Normalfall multimodal behandelt werden. Die Behandlung umfasst dann eine OP sowie eine Radio-Chemotherapie. „Im Einzelfall kann man auch nur eine Radio-Chemotherapie einsetzen“, erklärt Marc Bloching, „Wichtig ist uns aber vor allem eine individuelle Behandlung. Denn es gibt Tumore an Stellen, die funktionell fürs Weiterleben unheimlich wichtig sind.“ Muss auf Grund eines Zungengrundkarzinoms der Zungengrund entfernt werden, so können die Patienten oft nicht mehr richtig schlucken und haben dann dauerhaft einen Luftröhrenschnitt. Einschränkungen dieser Art beeinträchtigen somit in einem hohen Maße die Lebensqualität der Betroffenen. Wurde vor einigen Jahren noch äußerst radikal operiert, so können Prof. Bloching und seine Kollegen die Sicherheitsbestände bei einer Operation heute jedoch wesentlich kleiner gestalten und Verstümmelungen vermeiden. Der Experte bestätigt: „Der Trend geht zur minimalinvasiven Chirurgie. Früher haben wir viel offen operiert, heute arbeiten wir vermehrt endoskopisch, mikroskopisch mit dem Laser oder im Einzelfall mit dem Operationsroboter. Da ist viel möglich.“ Funktionseinschränkungen wie Schluck- und Sprechbeschwerden, irreversible Geschmacksstörungen oder Mundtrockenheit lassen sich dennoch nicht ausschließen. Begleitende Maßnahmen wie beispielsweise die Spülung der Speicheldrüsen mittels eines Endoskops sind jedoch innovative medizinische Alternativen, die den Patienten den Weg zurück in ein normales Leben erleichtern können. Und auch die Nachsorge sollte nicht vernachlässigt werden, empfiehlt Prof. Bloching: „Im ersten Jahr sollte man alle vier bis sechs Wochen einen Arzt raufschauen lassen. Die meisten Rezidive kommen innerhalb von ein bis zwei Jahren. Außerdem überprüfen wir unsere Patienten auch einmal im Jahr zur Vorsorge unter Narkose, da wir wissen, dass Tabak und Alkohol nicht nur den Mund- und Rachenraum schädigen, sondern auch in anderen Regionen Karzinome entstehen können.“ Grundsätzlich rät der Experte dazu, sich nur in Zentren wie dem Helios Klinikum in Berlin-Buch behandeln zu lassen, die eine allgemeine Nachsorge durchführen und diese als ein Gütesiegel ihrer Behandlungsmethoden betrachten.

Krebs-Infotag am 09. November

Am Samstag, 09. November sprechen Spezialisten von 9 bis 15 Uhr im Helios Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit Interessierten über moderne Krebsmedizin. Der TV-Mediziner Dr. Carsten Lekutat moderiert eine Expertenrunde zur fachübergreifenden Krebsbehandlung. Interessierte können sich über die Website anmelden, aber auch spontane Teilnehmer sind willkommen: www.helios-gesundheit.de/krebs-weiter-leben

Quelle: Helios Klinikum Berlin-Buch | Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken

Author: Redaktion

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