Quergedacht – Brief an ein Arschloch

Was hast Du Dir dabei gedacht, als Du den Stein aufgehoben hast? Was ging Dir durch den Kopf, als Du mit dem Ding gezielt hast? Wolltest Du wirklich einen Menschen töten? Warum bist Du so? Ich begreife das nicht. Ehrlich, Dein Tun ist für mich nicht nachvollziehbar.

Mit voller Wucht ist der Stein neben dem Feuerwehrmann an die Wand gekracht. Hättest Du getroffen, wäre der Mann jetzt tot. Warum? Was ist schief gelaufen in Deiner Entwicklung, dass Du so bist, wie Du bist. Du wusstest ganz genau was Du tust, Du warst nicht betrunken. Kein Betrunkener kann nach der Tat so schnell laufen wie Du. Deine Flucht und Dein Verschwinden in der Menschenmasse war geplant. Du wusstest was Du tust…

In der Silvesternacht gab es einige solcher Vorfälle. Feuerwehrleute, Sanitäter, Ärzte und Polizisten wurden beleidigt, angegriffen und mit Flaschen und Steinen beworfen. Sie wurden mit Reizgas, Kanonenschlägen und Raketen beschossen.

Ja, Du Arschloch, sorry, mir fällt kein anderer Titel für Dich ein. Du, bist nicht allein, Du hast Kollegen. Ihr seid nicht viele aber jeder Einzelne von Euch ist zu viel für diese Stadt. Der Feuerwehrmann, nach dem Du den Stein geworfen hast, ist verheiratet. Er liebt seine Frau und seine Frau liebt ihn. Er hat zwei Kinder, die stolz sind auf Ihren Papa und auf das, was er tut. Sein Jüngster will auch mal Feuerwehrmann werden.

Der will Feuerwehrmann werden, du Arschloch, nicht Halbwaise. Seine Frau will mit ihrem Mann alt werden, sie wollen gemeinsam das Leben durchwandern. Das haben sie sich auf dem Standesamt versprochen. Die Frau will mit ihrem Mann leben. Sie will nicht Witwe werden.

Feuerwehrleute, Sanitäter, Ärzte und Polizisten sind Dienstleister. Das sind keine Exoten, die irgendwie außerhalb der Bevölkerung stehen. Es sind unsere Nachbarn und vielleicht wohnt einer von ihnen in Deinem Haus. Vielleicht grüßt er Dich freundlich, wenn Ihr euch auf der Straße begegnet. Vielleicht seid Ihr im selben Fußballverein oder singt im gleichen Chor. Naja, eher nicht, denn böse Menschen haben keine Lieder. Eines ist sicher Arschloch.

Wenn Du einmal einen Unfall hast oder einen Herzinfarkt, dann werden Feuerwehrleute, Sanitäter, Ärzte und Polizisten Dir helfen. Das tun die, selbst wenn sie wissen, was Du für ein Arschloch bist. In dieser Stadt leben dreieinhalb Millionen Menschen, die nicht mit Steinen schmeißen. Von denen will Dich keiner zum Freund. Du bist bestimmt sehr einsam. Wenn Du das ändern willst, dann ändere Dich, Du Arschloch…

(Sachverhalt nur sinngemäß dargestellt)

Quelle: Jonny Ruuk | Foto: 20672 auf Pixabay 

Jonny Ruuk
Author: Jonny Ruuk

Comments are closed.